Die Zusammenfassung der Plagiatsaffäre von Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg

Diese Seite zeigt eine Zusammenfassung der Ereignisse rund um den Doktortitel von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (geb. 05.12.1971). Diese Seite enthält keine Diskussion und keine Wertung! Es ist lediglich eine Sammlung von Beiträgen die in seriösen Medien veröffentlicht wurden. Auf eine Bewertung wird hier bewusst verzichtet!

Sie finden zunächst die Aussagen des Bundesverteidigungsministers, gefolgt von einer chronologischen Darstellung der Medienberichte.

Aussagen von Karl-Theodor zu Guttenberg

  • "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus" (als Reaktion auf den ersten Plagiatsverdacht, 16.02.2011, Spiegel online)
  • "Ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf die Führung des Titels verzichten" (18.02.2011, tagesschau. Ganze Rede auf Youtube oder zum Nachlesen auf sueddeutsche.de)
  • “Unsinn!” (19.02.2011, auf die Frage ob er seit Dienstag einmal an Rücktritt gedacht habe, heute.de)
  • Auf einer CSU-Veranstaltung in Kelkheim verkündet Karl-Theodor zu Guttenberg, das er  “am Wochenende, auch nach dem ich diese Arbeit mir intensiv noch einmal angesehen habe, feststellen musste, daß ich gravierende Fehler gemacht habe”. “Man hat 6, 7 Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen 6,7 Jahren möglicherweise an der einen oder anderen Stelle, an der einen oder anderen Stelle auch zuviel, auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren.” Und dann musste er sich “natürlich auc hselbst fragen: Wie konnte das geschehen, wie konnte das passieren?” (21. Februar 2011, Phönixausschnitt auf Youtube, Wortprotokoll)
  • “In den letzten Tagen habe ich meine Dissertation nochmals gründlich überprüft. Dabei kam ich zu dem Ergebnis, dass mir bei der Erarbeitung gravierende handwerkliche Fehler unterlaufen sind, die ordnungsgemäßem wissenschaftlichen Arbeiten widersprechen” (22. Februar 2011, offener Brief an die Universität Bayreuth)
  • Zu seinem Rücktritt: “Der Grund liegt im Besonderen in der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann.” (Tagesschau)

Chronologie

Mittwoch, 16. Februar 2011

  • Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht einen Bericht über die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg (hier): “An acht Stellen offenbarten sich in Guttenbergs Doktorarbeit Textpassagen, denen ein sauberer wissenschaftlicher Nachweis fehlte.”

Donnerstag, 17. Februar 2011

  • Das GuttenPlag Wiki wird erstellt. Dieses Wiki dient der Feststellung ob diese Vorwürfe begründet oder haltlos sind.

Freitag, 18. Februar 2011

  • Karl-Theodor zu Guttenberg verzichtet freiwillig vorübergehend auf die Führung des Titels.(tagesschau. Ganze Rede auf Youtube oder zum Nachlesen auf sueddeutsche.de).
  • Diese Erklärung hält er nur vor ausgesuchten Medienvertretern während die Bundespressekonferenz in einem anderen Gebäude stattfindet. Unter dem Applaus der Journalisten wird nachgefragt ob man  “diese Witzveranstaltung hier abbrechen” könne. Nachdem die Hauptstadtkorrespondenten geschlossen den Saal verlassen haben wird die Bundespressekonferenz zum ersten Mal in ihrer Geschichte abgebrochen. (Zusammenfassung auf heute.de, ZDF Ausschnitt auf YoutubeRP Online)
  • Die Universität Bayreuth fordert eine Stellungnahme von Karl-Theodor zu Guttenberg innerhalb von 2 Wochen (FAZ.net)
  • In der “heute-show” wird von “schummel cum laude” gesprochen (Youtube)

Montag, 21. Februar 2011

  • In einem Zwischenbericht gibt das GuttenPlag Wiki folgende Zahlen bekannt:
    • Anzahl Seiten, auf denen bisher Plagiate gefunden wurden: 271 ( = 68,96%)
    • Anzahl Zeilen die als Plagiate identifiziert wurden: 3521 von 16325 ( = 21,5% der gesamten Doktorarbeit)
  • Karl-Theodor zu Guttenberg verzichtet freiwillig dauerhaft auf seinen Doktortitel (FAZ.net, Videomitschnitt von Phönix auf Youtube, Wortprotokoll)
  • “Karl Theodor zu Guttenberg hat für seine Doktorarbeit abgeschrieben, und zwar im großen Stil. Wer dies abstreitet, tut es entweder aus politischem Kalkül, enttäuschter Heldenverehrung oder weil er schlicht keine sonderlich konkrete Vorstellung vom Wissenschaftsbetrieb hat.” (“Guttenberg verhöhnt das Leistungsprinzip” in Zeit Online)

Dienstag, 22. Februar 2011

  • Karl-Theodor zu Guttenberg bittet in einem offenen Brief an die Universität um die Rücknahme seines Doktortitels (FAZ.net). Die Universität Bayreuth bestätigt das Schreiben (Presseinformation der Uni Bayreuth)

Mittwoch, 23. Februar 2011

  • Die Universität Bayreuth erkennt Karl-Theodor zu Guttenberg den Doktortitel offiziell ab (Presseinformation der Uni Bayreuth). Er hat gegen “wissenschaftliche Pflichten in erheblichem Umfang verstoßen”. Ob dies bewusst oder unbewusst geschah hat die Kommission zu diesem Zeitpunkt noch nicht geprüft.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Freitag, 25. Februar 2011

  • Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat das Verhalten von Teilen der Politik in der Guttenberg-Plagiatsaffäre scharf kritisiert. „Die Marginalisierung schwersten wissenschaftlichen Fehlverhaltens durch höchste Repräsentanten unseres Staates ist empörend“, erklärte der Präsident des Deutschen Hochschulverbands Bernhard Kempen am Freitag in Bonn. „Es ist unerträglich, wie die Bedeutung der Wissenschaft und ihrer ehernen Gesetze politisch kleingeredet wird.“ (faz)
  • “Die Union beantragte am Donnerstag im Ältestenrat, Aussagen wie die von Oppermann („Guttenberg ist ein Lügner“) sollten in Zukunft im Bundestag als unparlamentarisch gerügt werden. Der Ältestenrat habe das aber abgelehnt, berichteten Teilnehmer.” (faz)

Samstag, 26. Februar 2011

  • Mehrere namhafte Juristen wie z.B.  der Kölner Strafrechtsprofessor Thomas Weigend ("Ich würde einem Kandidaten nicht glauben, der in so einem Fall behauptet, dass es bloße Fahrlässigkeit war") oder der auf Streitereien um Examensarbeiten spezialisierte Rechtsanwalt Michael Hofferbert ("Kein Richter wird einem Kandidaten glauben, der über hundert Seiten seiner Doktorarbeit abschreibt und hinterher behauptet, er habe dies versehentlich getan.") unterstellen Karl-Theodor zu Guttenberg vorsätzliche Täuschung (Spiegel)

Sonntag, 27. Februar 2011

  • Rund 20.000 Promovierte und Promovierende haben Bundeskanzlerin Merkel in einem offenen Brief "Verhöhnung" aller wissenschaftlichen Mitarbeiter und Doktoranden vorgeworfen. "Durch die Behandlung der Causa Guttenberg als Kavaliersdelikt leiden der Wissenschaftsstandort Deutschland und die Glaubwürdigkeit Deutschlands als Land der Ideen" (RP-Online)

Montag, 28. Februar 2011

  • Der Tagesspiegel berichtet, daß Karl-Theodor zu Guttenberg nur auf Grund einer Ausnahmegenehmigung promovieren durfte, da er die Mindestnote “vollbefriedigend” nicht erreicht hat. Diese Sondergenehmigung erteilte der Dekan der in den siebziger Jahren Vorsitzender der Jungen Union der CSU Schwandorf welcher er “bis heute verbunden” ist.
  • Sein Doktorvater Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Häberle erklärt: “Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel. Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war. Die Aberkennung des Doktortitels war die notwendige Folge.” (Tagesspiegel)
  • Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) schämt sich für die Plagiatsaffäre. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bezeichnet die Affäre als “„ein Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie“. (Die Welt)
  • Selbst in der Bild-Zeitung gibt es einen kritischen Artikel der die o.g. Kritikpunkte veröffentlicht (“Guttenbergs Doktorvater geht auf Distanz”). Sogar die eigene Online-Umfrage (siehe unten) wird wieder verlinkt obwohl nur noch 34% sagen “Er macht seinen Job gut.”.
  • “Der ehemalige sächsische Ministerpräsident und Jura-Professor Kurt Biedenkopf [CDU] rügt Angela Merkel und Karl-Theodor zu Guttenberg für ihr Verhalten in der Plagiataffäre. Eine Trennung zwischen Mensch und Amt gebe es nicht.” (Focus)

Dienstag, 01. März 2011

  • Karl-Theodor zu Guttenberg tritt zurück!  Er begründet dies mit seiner “fehlerhaften Doktorarbeit” sowie mit “der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann.” (Rücktrittserklärung im Wortlaut, Tagesschau)
  • Was sich anhört wie eine Abrechnung mit dem “Doktortitel” von Karl-Theodor zu Guttenberg ist ganz anders gemeint: „Soviel Scheinheiligkeit und Verlogenheit war selten in Deutschland“, sagte Merkel am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt in Karlsruhe. (Handelsblatt). Und damit meint sie nicht Karl-Theodor zu Guttenberg, sondern all diejenigen die seinen Rücktritt forderten.
  • Guttenberg gibt auch sein Bundestagsmandat ab (Hamburger Abendblatt)
  • “Er lebte davon, anders zu sein. Ehrlich, anständig, offen, unverstellt. Authentisch. Sein eigener Betrug (war es auch ein Selbstbetrug?) zerstörte, wovon er lebte. Deshalb hat ihn auch die FAZ fallen lassen, nicht obwohl, sondern gerade weil sie sich als konservativ versteht und diesen fortlaufenden Verstoß gegen konservative Anschauungen und Werte nicht verteidigen mochte.” (Der Täter Guttenberg macht sich zum Opfer, Der Westen)

Samstag, 05. März 2011

  • Obwohl die Facebook-Gruppe “Wir wollen Guttenberg zurück” über 580.000 Mitglieder hat treffen sich zu den aufgerufenen Demonstrationen in Guttenberg nur 2000 Demonstranten sowie jeweils 300 in München und Rosenheim, 150 in Hamburg, 80 in Frankfurt am Main sowie 50 in Köln. In Bremen, Hannover und Leipzig fielen die geplanten Demos mangels Interesse komplett aus (Rheinische Post). Ausserhalb seines Heimatdorfes demonstrierten also bei 8 geplanten Kundgebungen nur insgesamt 880 Personen für Karl-Theodor zu Guttenberg.
  • “Spötter stahlen Guttenberg-Fans die Show. Außer in seiner Heimatgemeinde gerieten die Kundgebungen für den zurückgetretenen Minister zur Farce. Sein Vater schlug sich tapfer.” (Kurier)
  • “Auf Facebook-Gruppen sah es so aus, als entstünde nach dem Guttenberg-Rücktritt eine Art Tea-Party-Bewegung. Doch bei den Demos am Samstag waren hauptsächlich Spaßvögel unterwegs” (Stern)

Montag, 07. März 2011

  • In einer langen Zusammenfassung schreibt die FAZ über Steve Jobs und Karl-Theodor zu Guttenberg:  Guttenbergs verschleppter Rücktritt :
    Irrtümer, Flüchtigkeitsfehler, Kleinkram? Ausgeschlossen. Was nachhaltige Anstrengung und Konzentration erfordert, lässt sich nicht unbewusst tun; (…) Und wenn doch? Noch schlimmer. Niemand kann sich in einem der wichtigsten Ämter, das die Bundesrepublik Deutschland bereithält, einen somnambulen Minister wünschen. Überdies lag die Fälschung erst kurze Zeit zurück. Als die Dissertation eingereicht wurde, 2006, war Guttenberg kein Jungakademiker in spätadoleszenter Blüte, sondern schon weit über das Alter hinaus, in dem man normalerweise promoviert. (…)
    Wer sich nicht blenden lässt, kann sehen, dass Guttenberg, gemessen an den üblichen, erst recht den an ihn angelegten Maßstäben, in seinem Leben nicht viel auf die Reihe bekommen hat. Er ist ein auffallend intelligenter Mensch, aber seine äußeren, zertifizierten Leistungen lagen deutlich unter diesem Niveau. Durchgestartet ist er erst in der Politik, dort aber mit ungeheurem Druck. Er hat sein zweites Staatsexamen als Jurist nicht gemacht, was einem Abbruch der Ausbildung gleichkommt, hat es nicht zum Offizier gebracht, hat die Diss, wie auch das Datum der ersten Fälschungen zeigt, zu einer Zeit begonnen, als das Internet als Steinbruch noch nicht existierte. Dann hat er, so kann man vermuten, auch dieses Angefangene nicht zu Ende gebracht, nicht etwa, wie er später behauptete, jahrelang daran weitergearbeitet, sondern es liegenlassen. (…)
    Die einfache Frage, ob das wirklich der Autor selbst war, ob Guttenberg sich also fremder Hilfe bediente, hat er später in der aktuellen Stunde des Bundestags ausweichend beantwortet. Ein „Nein“ hätte genügt, das vermied er. (…)
    Den Maßstab, den er an den Kommodore der „Gorch Fock“ anlegte, hat er für sich selbst jedenfalls nicht anerkannt (…) Warum man Fischer und Trittin ihre Sauereien habe durchgehen lassen, Guttenberg seinen winzigen Ausrutscher hingegen nicht. Minutiös wurden Fischers und Trittins Verfehlungen ausgebreitet. Warum wir darüber nicht geschrieben hätten? Wir hatten darüber geschrieben. Warum die noch da seien? Pardon, falsche Adresse. Darüber entscheiden nicht Zeitungen. Manche möchten womöglich darüber entscheiden, wir nicht.
    Weiter: Den letzten Konservativen würden wir erledigen. Was daran konservativ sein soll, eine Doktorarbeit zu fälschen, haben wir immer noch nicht verstanden. Einige wütende Leser, nicht selten: Leserinnen, gaben am Telefon freimütig zu, dass sie unseren Dreck gar nicht erst gelesen hatten. Sie wussten schon vorher: Wir hätten, was auch immer, gar nicht erst schreiben sollen. Und dann dieser respektlose Comic mit Ken-Theodor und Barbie und Johannes B. Ken.
    Offenbar verwechselten uns einige Leser mit der publizistischen Außenstelle einer Partei, dazu noch einer, die zu dieser Zeit wirklich schräg drauf war. Vielleicht glaubten auch manche, wir würden bedeutsame Grundsätze verraten. Aber Loyalität an sich ist kein bedeutsamer Grundsatz.(…)
    Guttenberg führte höchstpersönlich die Bewegung derer an, die nicht hinschauen wollten, unterstützt von zahllosen Unionspolitikern, die damit beschäftigt waren, der Öffentlichkeit einzureden, dass Lügen und Betrügen vielleicht nichts Großartiges ist, aber bei großartigen Menschen nicht weiter ins Gewicht fallen. (…)
    Am Abend dieses Tages gestand Guttenberg in Kelkheim aber nur „gravierende Fehler“ ein, unbewusst gemachte, wie sie halt jungen Familienvätern unterlaufen. Zu den „Hell’s Bells“ von AC/DC und mit deren gesungenen Versprechen, das Auditorium in die Hölle zu führen, holte Guttenberg zum Gegenschlag aus. Er brachte die toten Soldaten ins Spiel. Wer den Verteidigungsminister kritisierte, verweigerte seinen Gefallenen die Ehre. (…)
    Kurz darauf generierte der Seriendarsteller Charlie Sheen, nachdem er sich und andere mal wieder mit Drogenexzessen nicht nur an die Grenze des Anstands, sondern des Todes geführt hatte, auf Facebook und Twitter noch mehr Follower als Guttenberg. Eine Million an einem Tag. Und sagte über seine Horrorpartys: „Ich bin stolz auf das, was ich geschaffen habe. Das war radikal. Ich verzaubere die Menschen. Ich zeige ihnen etwas, das sie sonst nie gesehen hätten – in ihrem langweiligen, normalen Leben.“

Samstag, 19. März 2011

  • Karl-Theodor zu Guttenberg gibt den Bezirksvorsitz der CSU Oberfranken ab (RP-Online)

Samstag, 09. April 2011

  • Laut Süddeutscher Zeitung hat die Universität Bayreuth festgestellt, daß Karl-Theodor zu Guttenberg mit Absicht abgeschrieben haben muss. Aufgrund der Vielzahl der kopierten Stellen kann es keine andere Erklärung geben.  Obwohl Karl-Theodor zu Guttenberg stets beteuerte an der Aufklärung mitzuhelfen lässt er die Veröffentlichung des Gutachtens aber nun von seinen Rechtsanwälten verhindern. (Süddeutsche Zeitung)

Sonntag, 10. April 2011

  • Karl-Theodor zu Guttenberg möchte das Gutachten der Wissenschaftler geheimhalten. Dies “zeugt nicht gerade von einem reinen Gewissen”. “Für wie dumm hält er eigentlich die Öffentlichkeit”? (Rheinische Post)

Freitag, 06. Mai 2011

  • Die Universität Bayreuth hat festgestellt, daß Karl-Theodor zu Guttenberg vorsätzlich getäuscht hat. Anhand der vielen Umformulierungen, Satzumstellungen sowie Verwendung von Synonymen lässt sich keine andere Feststellung treffen. “Klartext: Jetzt ist quasi amtlich – Guttenberg hat abgeschrieben!” (Bild)
  • Der Focus sieht mit dieser Feststellung “Das endgültige Aus für den Politiker Guttenberg”. “Nach der schallenden Ohrfeige der Uni Bayreuth kann der Ex-Minister nicht in die Politik zurückkehren.”  (Focus)

Mittwoch, 11. Mai 2011

  • Die Kommision der Universität Bayreuth hat ihren 83-seitigen Bericht zur Causa Guttenberg veröffentlicht. Wie bereits in der Vorabmeldung angekündigt hat die Kommission die vorsätzliche Täuschung durch Karl-Theodor zu Guttenberg bestätigt. (Uni Bayreuth)
  • Entgegen seiner früheren Ankündigungen hat Karl-Theodor zu Guttenberg die Aufklärung nicht vorbehaltlos unterstützt. Eine mündliche Befragung hatte er auch nach mehrfacher Aufforderung immer wieder abgelehnt. (Rheinische Post)
  • Die Staatsanwaltschaft Hof/Saale ermittelt unterdessen gegen Karl-Theodor zu Guttenberg wegen Urheberrechtsverstössen (Westdeutsche Zeitung)
  • Am gleichen Tag hat der CSU-Kreisverband Kulmbach Karl-Theodor zu Guttenberg als Delegierten für den Bezirks- und den Landesparteitag gewählt. Der Rücktritt vom Rücktritt? (Bild)

Mittwoch, 23 November 2011

  • Gegen eine Zahlung von 20.000 € stellt die Staatsanwaltschaft Hof das Ermittlungsverfahren gegen zu Guttenberg ein, obwohl aus seiner Doktorarbeit “23 Textpassagen als strafrechtlich relevante Urheberrechtsverstöße herausgearbeitet werden” konnten. Die anderen über 100 beanstandeten Passagen sind zwar ebenfalls abgeschrieben, fallen aber nicht unter strafrechtliche relevante Verstöße. Da der “wirtschaftliche Schaden der verletzten Urheber aber nur marginal” ist wurde das Verfahren eingestellt.
  • n-tv stellt den Artikel unter die Überschrift “Zur Bundestagswahl 2013 – Guttenberg feilt am Comeback”.
  • Die Bild-Zeitung veröffentlicht Glückwünsche und meint das Karl-Theodor zu Guttenberg eine zweite Chance verdient hat.
  • zu Guttenberg bestreitet trotz eindeutiger Beweise weiterhin den Vorwurf der absichtlichen Täuschung: “Auf die Frage, warum er acht Monate nach dem Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe nicht einfach sage: Ich habe abgeschrieben, antwortet Guttenberg: "Ich sage es doch. Es ist nur eine Frage, wie man das sagt. Weil es ein Unterschied ist, ob man das absichtlich macht oder ob das Abschreiben das fatale Ergebnis einer chaotischen und ungeordneten Arbeitsweise ist. Das ist für mich ganz wichtig, weil es auch etwas mit der eigenen Ehre zu tun hat." (Zeit)
  • Die meisten Medien sehen das (wie schon während der gesamten Diskussion) anders, z.B. Spiegel, Focus (“Die Beliebtheit Karl-Theodor zu Guttenbergs steht in Widerspruch zu seinen politischen Leistungen. Er hinterließ viele Baustellen. “).
  • Der Focus veröffentlicht eine Zusammenfassung der Pressestimmen zur Einstellung des Strafverfahrens:
    Neue Osnabrücker Zeitung: “Der große Plagiator Karl-Theodor zu Guttenberg kommt glimpflich davon.”
    Nürnberger Nachrichten: “Es ist nicht einmal ein Freispruch zweiter Klasse”
    Rhein-Zeitung: “Leider regiert nicht Moral, sondern Macht und Populismus die Politik.”
    Nordwest-Zeitung: “Guttenbergs Interviews und seine oberlehrerhafte Kritik an Europas Politikern lassen indes befürchten, dass die Selbstinszenierung als reuiger Sünder, auf den man schlecht verzichten kann, soeben erst begonnen hat. “
    Saarbrücker Zeitung: “Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich sozusagen freigekauft“

 

 

Die Rolle der Bild-Zeitung

Michael Spreng, ehemaliger Chefredakteur der “Bild am Sonntag”, beschrieb im Gespräch mit deutschlandradio die Situation wie folgt:

Ja gut, die "Bild"-Zeitung hat sich ja sehr eng mit dem Hause Guttenberg verbunden. Frau zu Guttenberg ist Botschafterin der "Bild"-Aktion Herz für Kinder, Herr zu Guttenberg hat sich auch schon als Model quasi zur Verfügung gestellt, die "Bild"-Zeitung hat ja mal eine 3D-Ausgabe gemacht, da war die ganze Seite der Verteidigungsminister in einer Art Top-Gun-Pose, den man dann mit 3D-Brille bewundern konnte. Also da gibt es enge Verbindungen. Und die "Bild"-Zeitung ist Teil des Hauses zu Guttenberg oder zu Guttenberg ist Teil des Hauses "Bild".

So sind in der Bildzeitung auch (fast?) ausschliesslich positive Berichte über die Familie zu Guttenberg zu finden, selbst wenn andere Medien manchen Aktionen kritisch finden (z.B. hat die Organisation “Innocence in Danger” von Stephanie zu Guttenberg kein Spendensiegel). Und auch im aktuellen Fall berichtet die Bildzeitung äusserst positiv über Karl-Theodor zu Guttenberg. Einige Beispiele, dokumentiert von BildBlog.de:

  • Chefkolumnist Franz-Josef Wagner erklärte bereits vor anderthalb Jahren:
    ”Sich einen falschen Busen oder falsche Haare auf die Glatze einpflanzen zu lassen, ist nicht unmoralisch. Sich ein falsches Gehirn einpflanzen zu lassen, muss per Gesetz bestraft werden. Ein Doktortitel ist kein Busen, kein Facelifting und keine Straffung des Popos.
    Der Doktortitel war einmal das Edelste der forschenden Studierenden. Wenn der Doktortitel heute verramscht wird, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Nobelpreise andere kriegen. Der Doktortitel war früher ein Juwel, er ist heute Blech. Er ist für Geld zu kaufen.”
    In der aktuellen Affäre sagt er genau das Gegenteil:
    ”Ich habe keine Ahnung von Doktorarbeiten. Ich flog durchs Abitur und habe nie eine Universität von innen gesehen. Also, ich kann von außen sagen: Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiß auf den Doktor.”
  • “Gut! Guttenberg bleibt”. Als es in früheren Fällen um die Rechtmässigkeit erworbener Doktortitel ging wurden diese Personen allesamt in der Kategorie “Verlierer” aufgeführt, als “Dr. Lüg”, “Dr. Seltsam”, “Dr. Schummel” und “Dr. Schwindel” (Bildblog)
  • Als die Umfrage bei Bild-Online noch eine Mehrheit pro Guttenberg zeigte wurde dies noch im Artikel präsentiert. Nachdem die Mehrheit kippte und nun die meisten Wähler “Er sollte zurücktreten” anklickten wurde diese Umfrage nicht mehr erwähnt (Bildblog)
  • Deswegen wurde nun eine neue Umfrage von Bild erstellt: Man konnte nur per Telefon oder Telefax abstimmen. Dort gab es 87% Ja-Stimmen, während im Internet immer noch die Mehrheit den Rücktritt fordern. (Bildblog), übrigens nicht nur auf Bild.de sondern in fast allen großen Meinungsumfragen (Spiegel online)
  • Weitere Kommentare des Chefkolumnists Wagner:
    Es ist der kleine Beschiss, Du nimmst dir was mit aus Deiner Firma, einen Kugelschreiber, eine Tintenpatrone für deinen Computer daheim. (…) Was ich denke, ist: Man darf nicht im Kleinen und im Großen bescheißen. Man darf nicht bescheißen!
    Heuchelei ist kein Straftatbestand. Sie heuchelten Tugendhaftigkeit nach außen, aber in Ihrem Inneren waren sie nicht sittlich.
    Was mich empört ist, dass die Mächtigen glauben, dass das alles normal ist. Als wären sie Könige, etwas Besseres. Mehr als wir.

Weitere Infos bietet zum Beispiel die folgenden  Artikel

Aus dem Zusammenhang gerissen

Es ist nicht bewiesen das die folgenden Fakten irgendwie zusammenhängen, trotzdem sind sie interessant:

Diese Fakten….

… sind unabhängig von diesen Fakten

Die Bild-Zeitung schreibt ausschliesslich positiv über den Bundesverteidigungsminister Die Bundeswehr plant eine Werbekampagne bei “Bild” (24.02.2011, Financial Times Deutschland)
Karl-Theodor zu Guttenberg saß von 1996 bis 2002 im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG. Zwischen 1999 und 2006 spenden diese knapp 750.000 € an die Universität Bayreuth. (25.02.2011, tagesspiegel) Karl-Theodor zu Guttenberg schreibt seine Doktorarbeit von 2000 bis 2007 an der Universität Bayreuth und besteht mit Bestnote “summa cum laude”.
Karl-Theodor zu Guttenberg erhält trotz einer nicht ausreichenden Note eine Ausnahmegenehmigung um überhaupt promovieren zu dürfen. Der Dekan, der die Genehmigung ausstellte, war in den siebziger Jahren Vorstandsmitglied der Jungen Union und ist der CSU Schwandorf “bis heute verbunden”.
   

Facebook

Natürlich ist auch bei Facebook die Diskussion im Gange. Es gibt 2 große Gruppen die sich für zu Guttenberg aussprechen:

Diese haben in wenigen Tagen mehrere hunderttausend Fans gewonnen (Aktuell am 06.03.2011: 410.000 bzw. 580.000). Daraufhin wurden Stimmen laut ob es sich dabei wirklich um echte Unterstützer handelt oder ob die meisten Stimmen dazugekauft wurden:

  • Kann zu Guttenberg in zwei Tagen mehr Fans begeistern als Dieter Bohlen in neun Jahren? (tagesschau) (Zur Info: Die DSDS-Seite hat nur 146.000 Fans)
  • Auch nachts bleibt der Strom der neuen Freunde konstant bei 40 Personen pro Minute (medienstratege)
  • Es gibt offizielle Anbieter für “Facebook-Freunde”, z.B. http://facebookfanskaufen.com/

Informationen der Universität Bayreuth

Auf einer eigenen Internetseite hat die Universität “Informationen zur Causa Guttenberg” zusammengefasst.

Satire

Wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen. Hier einige satirische Beiträge:

 

Weitere Fälle

  • Veronica Saß, Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, wurde durch die Universität Konstanz ebenfalls ihr Doktortitel aberkannt, ebenfalls wegen Plagiatsbestätigungen. (T-Online) . Dokumentiert sind diese Fälle im Vroni-Plag.
  • Die Doktorarbeit von Silvana Koch-Mehrin,  Spitzenkandidatin der FDP bei der Europawahl 2009, steht ebenfalls unter Plagiatsverdacht. Die Universität Heidelberg hat sie zu einer Stellungnahme aufgefordert. (Stern). Ebenfalls dokumentiert im Vroni-Plag.
  • Der Spiegel hat in einer Fotostrecke die bekanntgewordenen Fälle zusammengefasst:
    Bernd Althusmann (CDU), Bildungsminister in Niedersachsen und Präsident der Kultusministerkonferenz
    Matthias Pröfrocks (CDU), baden-württembergischer Landtagsabgeordneten
    Jorgo Chatzimarkakis (FDP), Europa-Politiker
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Written by googleberg

11. Mai 2011 at 18:23

Veröffentlicht in Guttenberg

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